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Online-Banking Sicherheit für ältere Menschen: Die besten Tipps

Meine Mutter wäre fast Opfer eines Telefonbetrugs geworden – seitdem weiß ich: Die größte Gefahr beim Online-Banking ist nicht die Technik, sondern der Mensch am anderen Ende der Leitung. Was wirklich schützt, hat wenig mit Firewalls zu tun.

Online-Banking Sicherheit für ältere Menschen: Die besten Tipps

Online-Banking Sicherheit für ältere Menschen: die Tipps, die wirklich helfen

Meine Mutter rief mich an einem Dienstagabend im März an. Ihre Stimme klang komisch. „Ich habe gerade mit der Bank telefoniert", sagte sie. „Sie haben gesagt, mein Konto sei gesperrt, ich soll meine TAN durchgeben." Ich habe sofort gewusst, was passiert war. Zum Glück hatte sie aufgelegt. Andere haben dieses Glück nicht.

Seitdem beschäftige ich mich intensiv mit dem Thema Online-Banking Sicherheit für ältere Menschen. Nicht theoretisch. Sondern praktisch, mit meinen Eltern, mit Nachbarn, mit einem Seniorenkreis hier im Ort, in dem ich seit zwei Jahren ehrenamtlich einen kleinen Technik-Nachmittag mache. Was ich dabei gelernt habe, hat wenig mit Firewalls zu tun und sehr viel mit Vertrauen, Gewohnheiten und einem Anruf, der zur falschen Zeit kommt.

Wichtige Erkenntnisse

  • Die größte Gefahr ist nicht die Technik, sondern der Mensch am anderen Ende des Telefons.
  • Ein Chipkartenleser mit eigenem Display schützt besser als jede TAN per SMS.
  • Der Kontozugriff sollte schriftlich geregelt sein, bevor es akut wird.
  • Nie eine TAN am Telefon nennen. Keine Ausnahme, auch nicht bei „der Bank".
  • Ein zweites Konto mit begrenztem Guthaben für den Alltag reduziert das Risiko drastisch.

Warum gerade ältere Menschen zum Ziel werden

Ich habe lange gedacht, das sei ein Klischee. Ältere Menschen, unsicher mit Technik, leichte Beute. Falsch gedacht. Die Betrugsmasche, die meine Mutter fast erwischt hätte, funktioniert bei 35-Jährigen genauso. Der Unterschied liegt woanders.

Warum gerade ältere Menschen zum Ziel werden
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Wer 70 Jahre lang gelernt hat, dass ein Anruf von der Bank ein Anruf von der Bank ist, der zweifelt nicht sofort. Höflichkeit, Respekt vor Autorität, die Erwartung, dass Institutionen sich melden, wenn etwas nicht stimmt. Das sind keine Schwächen. Das sind Eigenschaften, die ein ganzes Berufsleben lang funktioniert haben.

Der Anruf, der alles kippt

Nach Angaben des Bundeskriminalamts nehmen Enkeltrick und falsche Bankmitarbeiter seit Jahren zu, und die Täter werden professioneller. Sie kennen die Namen echter Mitarbeiter. Sie kennen die Telefonnummer der Filiale. Sie wissen, wann Renten eingehen. Meine Mutter sagte später, der Anrufer habe exakt so geklungen wie der Mann, der ihr vor Jahren einen Kredit erklärt hatte.

Das Ding ist: Diese Anrufe zielen nicht auf Dummheit. Sie zielen auf Zeitdruck. „Wenn Sie jetzt nicht handeln, ist Ihr Geld weg." Wer in diesem Moment ruhig bleibt, gewinnt. Wer höflich sein will, verliert.

Was ist die sicherste Methode beim Online-Banking?

Die kurze Antwort: Ein Chipkartenleser mit eigenem Display und eigener Tastatur. Wer eine Überweisung freigeben will, steckt die Bankkarte ein, prüft die angezeigten Daten auf dem kleinen Bildschirm und bestätigt mit PIN. Der Computer sieht die TAN nie. Kein SMS-Code, der abgefangen werden kann, keine App, die auf einem kompromittierten Handy läuft.

Was ist die sicherste Methode beim Online-Banking?
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Ich weiß, das klingt nach Technik von gestern. Tatsächlich ist es die robusteste Variante, die es gibt. Der Hersteller Reiner SCT baut diese Geräte in Deutschland, sie funktionieren mit den meisten Volksbanken und Sparkassen, und die Einrichtung dauert etwa 20 Minuten. Meine Mutter hat einen bekommen. Sie hat zwei Wochen geflucht. Danach nie wieder.

Die Alternativen im ehrlichen Vergleich

Methode Sicherheit Bedienung für Senioren Hauptschwäche
Chipkartenleser mit Display Sehr hoch Anfangs gewöhnungsbedürftig Gerät muss mitgeführt oder aufbewahrt werden
TAN per SMS Mittel Vertraut, einfach Anfällig für SIM-Swapping und Handy-Diebstahl
App auf dem Smartphone Hoch bei sauberem Gerät Für viele zu komplex Schadsoftware auf dem Handy hebelt sie aus
Papier-TAN-Liste Niedrig Sehr einfach Liste wird abfotografiert oder gestohlen

Ehrlich gesagt: Ich bin kein Fan der SMS-TAN. Sie ist bequem, und Bequemlichkeit ist genau das Problem. Bei einem Konto, auf dem Ersparnisse eines halben Lebens liegen, würde ich immer das Gerät mit Display nehmen.

Sieben Tipps, die ich meinen Eltern wirklich gegeben habe

Keine allgemeinen Ratschläge. Konkrete Dinge, die bei uns funktioniert haben.

Sieben Tipps, die ich meinen Eltern wirklich gegeben habe
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  1. Nie eine TAN am Telefon nennen. Egal wer anruft. Egal was auf dem Display steht. Die Bank fragt das nicht.
  2. Ein Alltagskonto mit begrenztem Guthaben für Überweisungen, das Sparbuch bleibt separat und ohne Online-Zugang.
  3. Bei jedem Anruf von „der Bank": auflegen, selbst die Nummer aus dem Kontoauszug wählen, zurückrufen. Dauert zwei Minuten.
  4. Passwörter nicht auf Zetteln neben dem Rechner, sondern in einem kleinen Notizbuch an einem Ort, den nur Vertrauenspersonen kennen. Ja, Papier. Es funktioniert.
  5. Kontoauszüge regelmäßig durchsehen. Kleine unbekannte Abbuchungen sind oft der Anfang.
  6. Zwei-Faktor-Authentifizierung überall einschalten, wo es geht, auch beim E-Mail-Konto. Denn dort landen die Reset-Links.
  7. Eine Vertrauensperson benennen, die im Zweifel angerufen werden darf. Nicht als Kontrolle, sondern als Notbremse.

Punkt drei klingt banal. Er hat bei uns mehr gebracht als jede Software. Meine Mutter hat sich angewöhnt, bei verdächtigen Anrufen einfach aufzulegen. Beim ersten Mal hat sie sich danach entschuldigt, als hätte sie jemanden beleidigt. Heute lacht sie darüber.

Was tun, wenn die Selbstständigkeit nachlässt?

Das ist der Punkt, über den kaum jemand schreibt, und genau der, der irgendwann auf fast jede Familie zukommt. Oma kann die Überweisung nicht mehr selbst tippen. Oder will es nicht mehr. Was jetzt?

Ich habe mich durch dieses Thema gequält, als mein Vater nach einer Operation sechs Wochen lang nicht an den Rechner konnte. Hier ist, was ich gelernt habe.

Kontovollmacht statt Passwortweitergabe

Der wichtigste Satz: Eine Vollmacht ist etwas anderes als geteilte Zugangsdaten. Wer die PIN und das Passwort der Eltern benutzt, handelt rechtlich als die Eltern. Das kann im Streitfall, bei Erbschaft oder bei einem Betrugsverdacht zum echten Problem werden.

Die saubere Lösung ist eine Kontovollmacht bei der Bank, schriftlich, mit Ausweis. Viele Institute bieten das kostenlos an. Der Bevollmächtigte bekommt einen eigenen Zugang, mit eigenen Zugangsdaten. Dann kann später nachverfolgt werden, wer welche Überweisung ausgelöst hat.

Und noch etwas, das mir damals niemand gesagt hat: Legt das früh fest. Nicht wenn es akut wird. Im Akutfall ist man mit Formularen, Arztterminen und Emotionen gleichzeitig beschäftigt. Dann ist keine Energie mehr für Kontovollmachten.

Häufige Fragen

Reicht ein starkes Passwort allein aus?

Nein. Ein Passwort allein schützt nur so lange, wie es niemand errät oder abgreift. Genau deshalb existiert die Zwei-Faktor-Authentifizierung: Passwort plus ein zweiter Faktor, entweder ein Code vom Chipkartenleser oder ein Code vom Handy. Ohne den zweiten Faktor kommt niemand an eine Überweisung, selbst mit richtigem Passwort. Wenn Ihre Bank eine Zwei-Faktor-Lösung anbietet, nehmen Sie sie in Anspruch. Immer.

Woran erkenne ich eine gefälschte Bank-E-Mail?

Die Bank fragt am Telefon nicht nach Ihrer TAN und auch nicht nach Ihrem Passwort. Das ist die Regel, an der man sich festhalten kann. Wer dazu aufgefordert wird, hat es mit einem Betrugsversuch zu tun, Punkt. Bei E-Mails: nicht auf Links klicken. Stattdessen die Adresse der Bank selbst in den Browser eingeben und dort nachsehen, ob wirklich eine Nachricht im Postfach liegt.

Ein Anruf, der noch aussteht

Meine Mutter hat damals aufgelegt. Beim nächsten Anruf, drei Wochen später, hat sie gar nicht erst abgenommen. Sie hat die Nummer gespeichert und mir geschickt. Ich habe sie an die Polizei weitergeleitet.

Was mich bis heute beschäftigt: Es war nicht die Technik, die sie gerettet hat. Es war ein Bauchgefühl, das ich ihr vorher eingeredet hatte. Ein Satz, den ich beim letzten Besuch gesagt hatte, während ich ihr WLAN neu eingerichtet habe. „Wenn dich jemand am Telefon unter Druck setzt, leg einfach auf." Sie hat sich daran erinnert.

Vielleicht ist das der ehrlichste Tipp von allen: Es geht nicht darum, das sicherste System zu finden. Es geht darum, den einen Satz zu sagen, der im richtigen Moment hängenbleibt. Und ihn früh genug zu sagen.

Benedikt Braun

Benedikt Braun

Benedikt Braun berichtet seit mehr als fünfzehn Jahren aus den Bereichen Politik und Gesellschaft, Wirtschaft und Finanzen sowie Technologie und Digitales. In seiner journalistischen Arbeit hat er unter anderem über regulatorische Rahmenbedingungen der Digitalwirtschaft, die Entwicklung von Kapitalmärkten und gesellschaftspolitische Debatten geschrieben. Seine Beiträge erscheinen in verschiedenen überregionalen Medien.

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