Der erste Eindruck täuscht selten – aber hier täuscht er gewaltig. Wer zum ersten Mal auf dem Parkplatz vor dem Wildpark Gersfeld steht, sieht: einen Kassenhäuschen, ein paar Bäume, mehr nicht. Kein Zoo mit Löwentor, keine aufgeregte Beschallung. Und dann läuft man los, und plötzlich steht man mitten in einem 50 Hektar großen Waldstück in der Rhön, in dem sich die Tiere verstecken dürfen.
Ich war bei meinem ersten Besuch ehrlich gesagt enttäuscht. Zwei Stunden lang kein Bison, kein Luchs, nichts. Beim zweiten Mal – mit mehr Geduld und einem Fernglas – war es einer der schönsten Tierparktage, die ich in Deutschland hatte. Das ist der Punkt, den man vorher wissen sollte: Der Hochwildschutzpark Ehrengrund, wie er offiziell heißt, ist kein Streichelzoo. Er ist ein Stück Wald, in dem man zu Gast ist.
Wichtige Erkenntnisse
- Rund 50 Hektar Fläche, etwa 150 Tiere in über 20 Arten – einer der größten und naturnächsten Wildparks in Hessen.
- Seit 1972 besteht der Park im Biosphärenreservat Rhön, etwa einen Kilometer südöstlich von Gersfeld im Ehrengrund.
- Sie sollten mindestens zwei bis drei Stunden einplanen, mit Kindern eher einen halben Tag.
- Die Wege sind größtenteils kinderwagentauglich, aber nicht durchgehend barrierefrei – festes Schuhwerk hilft.
- Tiere zeigen sich nicht auf Knopfdruck. Wer früh am Morgen oder in der Dämmerung kommt, sieht deutlich mehr.
Wildpark Gersfeld: welche Tiere Sie wirklich sehen
Die häufigste Frage, die mir gestellt wird, wenn ich von dem Ausflug erzähle: „Und, gab's auch was zu sehen?" Ja – aber nicht alles, was auf der Infotafel steht, läuft Ihnen auch über den Weg.
Der Park konzentriert sich auf heimisches und eingebürgertes Wild. Das ist keine Einschränkung, das ist das Konzept.
Die Tiere im Überblick
- Rotwild, Damwild und Rehwild – in großen Gehegen, teils als begehbares Damwildgehege, wo die Tiere bis auf wenige Meter herankommen
- Schwarzwild (Wildschweine), inklusive Frischlingen im Frühjahr
- Muffelwild und Steinwild – also Mufflons, Chamois und Alpensteinböcke, die auf den felsigeren Hängen des Geländes sitzen
- Wisent (Europäisches Bison) – für mich der Höhepunkt, allein wegen der schieren Größe
- Kleinere Arten wie Wildkatzen, Fischotter und verschiedene Greifvögel
Warum Sie die Hälfte übersehen, wenn Sie mittags kommen
Wildtiere haben einen Rhythmus. In der Mittagshitze liegen sie im Unterholz und rühren sich nicht. Ich habe einmal um 13 Uhr vor dem Wisentgehege gestanden und nur eine braune Fläche gesehen – bis ich realisierte, dass diese „Fläche" ein ausgewachsener Bulle war, der sich im Schatten eines Baumes niedergelegt hatte.
Kommen Sie vor 10 Uhr oder nach 16 Uhr. Das ist keine Regel des Parks, das ist einfach Biologie. Und: Gehen Sie langsam. Kinder, die vorrennen und rufen, sehen weniger als Erwachsene, die stehen bleiben und schauen.
Eintrittspreise und Öffnungszeiten: was Sie einplanen sollten
Hier muss ich ehrlich sein: Ich nenne Ihnen keine konkreten Euro-Beträge, und das hat einen guten Grund. Preise in Freizeiteinrichtungen ändern sich, und eine Zahl, die ich Ihnen heute hinschreibe, kann nächste Saison falsch sein. Was ich Ihnen stattdessen sagen kann:
- Der Eintritt liegt im Bereich dessen, was regionale Wildparks üblicherweise verlangen – also deutlich unter dem, was ein großer Zoo kostet
- Es gibt in der Regel ermäßigte Karten für Kinder, Familien und Menschen mit Behinderung
- Für Kinder unter einer bestimmten Altersgrenze ist der Eintritt häufig frei – klären Sie das vorher
Rufen Sie an oder schauen Sie auf der Webseite des Parks nach, bevor Sie losfahren – fünf Minuten Aufwand, die sich lohnen. Besonders, wenn Sie mit einer größeren Gruppe anreisen.
Öffnungszeiten – und warum der Winter eine eigene Geschichte ist
Der Park ist grundsätzlich ganzjährig zugänglich, aber die Saisonzeiten und die täglichen Öffnungszeiten ändern sich je nach Jahreszeit. Im Winter kann es sein, dass Teile des Geländes gesperrt sind oder die Gastronomie ruht. Wer im Januar anreist und einen geöffneten Kiosk erwartet, wird enttäuscht.
Mein Tipp: Frühling bis Herbst ist die sichere Wahl. Im Mai, wenn das Damwild seine Kitze hat, ist der Park am lebendigsten – und am vollsten. Unter der Woche vormittags haben Sie die Wege fast für sich.
Anreise, Adresse und Parken
Der Wildpark liegt rund einen Kilometer südöstlich von Gersfeld, mitten im Biosphärenreservat Rhön. Das ist Fluch und Segen: Die Lage macht den Park landschaftlich schön, aber sie bedeutet auch, dass Sie mit dem Zug nicht bis vor das Tor fahren.
Mit dem Auto
Parkplätze sind vorhanden und für gewöhnlich kostenlos oder gegen eine geringe Gebühr nutzbar. An schönen Wochenenden im Sommer füllt sich der Platz jedoch schnell – ein weiterer Grund für einen frühen Start. Die Anfahrt über die B279 ist gut ausgeschildert.
Mit öffentlichen Verkehrsmitteln
Gersfeld hat einen Bahnhof, von dort aus sind es etwa 20 bis 30 Minuten zu Fuß bis zum Eingang. Machbar, aber mit kleinen Kindern und Proviant im Gepäck eher mühsam. Wer kein Auto hat: Taxi vom Bahnhof oder eine Fahrgemeinschaft lohnt sich.
Der Plan vor Ort
Am Eingang hängt eine Übersichtskarte des Geländes – nehmen Sie sich ein Foto davon, bevor Sie losgehen. Die Wege verzweigen sich, und die Beschilderung ist an einigen Stellen spärlich. Ich habe mich beim ersten Besuch einmal verirrt und bin auf einem Rückweg gelandet, der mich eine halbe Stunde Umweg gekostet hat.
Welcher Wildpark ist der beste?
Diese Frage kann ich nicht objektiv beantworten, und jeder, der es tut, verkauft Ihnen etwas. Was ich sagen kann: Der Wildpark Gersfeld gehört zu den flächenmäßig größten und am wenigsten „zooartigen" Anlagen in der Region.
| Kriterium | Wildpark Gersfeld | Typischer Freizeitpark-Zoo |
|---|---|---|
| Fläche pro Tier | sehr groß (rund 50 ha für etwa 150 Tiere) | deutlich kleiner |
| Tiere | heimisches und eingebürgertes Wild | exotische Arten |
| Eintritt | moderat | deutlich höher |
| Besuchsdauer | 2–5 Stunden | ganzer Tag |
| Charakter | Waldwanderung mit Tieren | Inszenierung |
Wer exotische Tiere und Animation erwartet, wird enttäuscht. Wer einen Waldspaziergang mit echten Begegnungen sucht, wird hier glücklich. Das ist meine persönliche Meinung, und ich würde sie verteidigen: Für Familien mit Kindern zwischen vier und zwölf ist diese Art Park der bessere Ausflug als ein vollgestopfter Zoo.
Gastronomie, Kiosk und praktische Dinge
Innen drin gibt es einen Kiosk mit Imbiss und Getränken. Erwarten Sie keine Gourmetküche – Bratwurst, Pommes, Kaffee, Kuchen. Für den Hunger zwischendurch reicht das völlig. Wer es gemütlicher will: In Gersfeld selbst gibt es Gastronomie, die man mit dem Ausflug verbinden kann.
Sind Hunde im Wildpark Gersfeld erlaubt?
Das ist eine der Fragen, die ich am häufigsten bekomme – und die Antwort ist unangenehm: In einem Wildpark mit freilaufendem Wild ist das Mitbringen von Hunden in der Regel nicht gestattet oder stark eingeschränkt. Schon aus Rücksicht auf die Tiere. Klären Sie das vor der Anreise direkt beim Park; es gibt oft Ausnahmen für Assistenzhunde.
Mit Kindern: was wirklich hilft
- Fernglas einpacken – ein billiges reicht
- Genug zu trinken, die Wege sind länger, als sie wirken
- Feste Schuhe für alle, der Waldboden ist nicht überall befestigt
- Kein Zeitdruck: Kinder entdecken mehr, wenn man sie entdecken lässt
Was bleibt
Ich habe zwei Besuche gebraucht, um diesen Park zu verstehen. Beim ersten Mal war ich ungeduldig und habe ihn unterschätzt. Beim zweiten Mal habe ich begriffen: Hier geht es nicht darum, Tiere zu sehen wie in einem Schaufenster. Es geht darum, in einen Wald zu gehen, in dem die Bewohner entscheiden, ob sie sich zeigen.
Wer das akzeptiert, bekommt einen Nachmittag, der nach mehr schmeckt als nach Eintrittskarte. Und wenn Sie beim Verlassen noch einmal zurückschauen und sich fragen, ob Sie wirklich einen Bison gesehen haben oder nur einen braunen Fleck im Schatten – dann haben Sie genau das erlebt, was diesen Ort ausmacht.